Heute nachmittag klingelt es an unserer Wohnungstür. Ich blinzele durch den Spion und erblicke einen mir unbekannten, jungen Mann. Meiner Menschenkenntnis blind vertrauend, öffne ich die Tür. Ein etwa 16-Jähriger steht nervös wippend vor mir und dreht verlegen die Baseballkappe auf dem Kopf hin und her. „Yo man, was geht ab?“, liegt mir auf der Zunge. Ich kann mich jedoch gerade noch beherrschen.
„Ey, wohnt hier eine Mädchen-WG?“, fragt er, den Blick zu Boden gesenkt. „Nein. Und hier im gesamten Vorderhaus auch nicht“, antworte ich. „Ach, gibt es hier noch mehr Haus?“, will er erstaunt wissen. „Ja. Seitenflügel und Gartenhaus. Nenn mir doch mal einen Namen. Vielleicht kann ich dir dann sagen, wo du hin musst“, helfe ich ihm auf die Sprünge. Jetzt wird er rot. „Ey, kenn isch nur Chat-Namen, weissu“, murmelt er, Tippbewegungen auf einer virtuellen Tastatur vortäuschend. Die wiederum kenne ich nicht. Ich muss passen. Enttäuscht dreht er ab. „Die haben gesagt, sie wohnen hier“, höre ich ihn murmeln. Zerknirscht verschwindet er. In den virtuellen Weiten oder anderswo.
Dating in Zeiten des Internet
16. November 2009 15:40