Seit fast drei Wochen bin ich nun wieder wohl behalten und guter Dinge zurück in Berlin. Resozialisiert und integriert. Im Alltag angekommen. Bei vollem Bewusstsein. Vieles, was ich in den vergangenen Monaten in der Ferne erlebt habe, hat mich tief beeindruckt und wird sicher noch lange in mir nachwirken. In der Zwischenzeit haben mich viele Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis persönlich getroffen, angerufen oder angemailt. Unweigerlich wurde meist auch über mein Blog gesprochen. In der Regel war nicht ich es, die das Thema in den Raum stellte. Einige - darunter sowohl Leser als auch Nichtleser - fühlten sich offenbar verpflichtet, dazu Stellung zu nehmen.


Viele haben sich lobend über mein Australien-Blog geäußert, das im Vergleich zu meinem „Alltags“-Blog von relativ vielen Leuten gelesen wurde. Auch hatte ich dort das Vergnügen, eine Handvoll mehr Kommentatoren als sonst begrüßen zu dürfen. Die große Mehrheit jedoch hat im Blog passiv konsumiert und geschwiegen. Business as usual. Die Gründe, die mir zu Ohren kommen, sind vielfältig. Ich nenne die typischsten, ohne zu werten oder zu kommentieren:


„Was soll ich denn da schreiben?“

„Ich käme nie auf die Idee, im Internet was zu hinterlassen.“

„Ich frage dich lieber persönlich, wenn mich was aus deinem Bericht näher interessiert.“

„Ich möchte nicht, dass das, was ich dir zu sagen habe, auch von anderen gelesen wird. Das soll ja nur für dich sein.“

„Meine Rechtschreibung ist so schlecht.“

„Ich kann mich im Schriftlichen nicht so gut ausdrücken.“

„Was soll denn das mit den Kommentaren?“

„Ich kann damit nichts anfangen.“


Ich blogge seit acht Monaten vergeblich gegen das Schweigen an. Habe meinen aufkeimenden Frust geäußert. Während meiner Australienreise habe ich Hoffnung geschöpft, das für viele noch immer so fremdartige Kommunikationsmedium in meinem Umfeld populärer zu machen. Mir ging es dabei nie darum, auf die Frage „Wie geht es dir?“ mit einem lässigen „Steht alles in meinem Blog“ zu antworten. Es sollte nie den persönlichen Kontakt ersetzen. Die letzten Nachzügler unter meinen Australien-Lesern haben mittlerweile ihre Rückstände aufgeholt und die Story zu Ende gelesen. Das sehe ich an den rückläufigen Besucherzahlen und weiss es aus den persönlichen Rückmeldungen, die in gewohnter Manier über alle möglichen Kanäle, aber nicht in Form von Blogkommentaren erfolgen. Auch haben mir diejenigen, die sich während meiner Reise zu Kommentaren aufgerafft haben, unmissverständlich klar gemacht, dass sie das nicht dauerhaft tun werden. Sie lesen - wie die Mehrzahl der schweigenden Leser - im „Normalfall“ einfach keine Blogs. Die Gründe:


„Ich muss schon den ganzen Tag im Büro vor dem Computer sitzen. Da habe ich in meiner Freizeit keine Lust mehr drauf.“

„Blogs interessieren mich einfach nicht.“

„Ich finde Blogs blöd.“

„Ich will einen persönlicheren Kontakt zu dir.“

„Ich gehe nur ins Internet, wenn es unbedingt sein muss.“

„Ich bin nur selten im Internet.“

„Ich habe dafür keine Zeit.“


Markus hat unermüdlich versucht, mein Blog auch ausserhalb meines eigenen Umfeldes bekannt zu machen. Für seine zahlreichen Twitter-Beiträge, Hinweise in seinem eigenen tollen und erfolgreichen Blog und den gesonderten Blogbeitrag bin ich ihm sehr dankbar. Offenbar spreche ich jedoch weder mit meinen Reiseberichten noch mit meinen Stories aus dem Alltag einen Leserkreis an, der mein Blog zu dem macht, was es eigentlich sein soll: ein Kommunikationsforum. Dabei zeigt Frau Jekylla sehr eindrucksvoll, dass auch ein Blog, das wie meines vornehmlich von Alltagsgeschichten lebt, erfolgreich sein kann, wenn man das entsprechende Umfeld hat, das meist selber bloggt und deshalb weiss, dass Kommentare und Antworten darauf das Salz in der Blogsuppe sind.


Auch habe ich versucht, durch eigene Kommentare in den verschiedenen Blogs Kontakt zur Bloggerszene aufzubauen. Das hat sich ebenfalls als mühselig und wenig erfolgreich herausgestellt. Manche reagieren zwar auf meine Kommentare, lassen sich aber ihrerseits selten bis gar nicht dazu verleiten, auch bei mir mal reinzuschauen oder zu kommentieren. Andere antworten in ihren Blogs offenbar nur auf Kommentare von Leuten, die sie schon kennen. Da werde ich ignoriert und falle durchs virtuelle Raster. Sicher trägt dazu auch die Tatsache bei, dass ich nicht twittere. Das jedoch wäre mir zu viel an Online-Präsenz.


Doch nun genug gejammert. Ich habe nachgedacht und eine Entscheidung gefällt. Da mir das Bloggen aus den genannten Gründen keinen Spaß mehr macht, lege ich Elkes Welt auf unbestimmte Zeit auf Eis und suche mir andere Möglichkeiten, meiner Schreiblust zu frönen. Schluss. Punkt.

 

Schluss.Punkt

24. November 2009 15:45

 
 

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