Ich rede gar nicht groß drumherum. Ich bin Anhängerin von sozialen Netzwerken im Internet. Nach Wer kennt wen? bin ich nun - mit einiger Verspätung - auch Facebook verfallen. Obwohl - SO schlimm ist es nun auch wieder nicht. Jedenfalls hat mir Facebook vor ein paar Tagen ein unerwartetes „Wiedersehen“ beschert, das mich bis heute beglückt. Fand ich dort doch tatsächlich die komplette fünfköpfige französische Familie, bei der ich vor 24 (in Worten: vierundzwanzig!) Jahren ein Jahr als Au-Pair-Mädel in Paris verbracht habe. Inzwischen pflegen wir einen regen Austausch über die Nachrichten-Funktion von Facebook.


Ich habe noch viele Erinnerungen an den netten Banker und seine Frau, die damals Psychologie studierte und sich recht viel Zeit für mich nahm. Dann waren da noch die drei Kinder: Thomas (10), Augustin (7) und Elsa (4), die ich alle in sehr unterschiedlicher, aber jeweils lebhafter Erinnerung habe. Der Älteste war schon sehr selbstständig und nahm mich selten in Anspruch. Fast bin ich geneigt, zu sagen, er ignorierte mich, wenn er nicht gerade was zu essen haben wollte ... Die Kleine forderte mich umso mehr. Verstand sie in ihrem zarten Alter doch nicht wirklich, was diese fremde Tussi da plötzlich wollte. Platzt in die Familie rein und spricht viel Akzent mit wenig Französisch ... In der Tat fragte sie mich in den ersten Wochen Tag für Tag, wann ich denn endlich wieder abreise. Aber wir fanden bald doch noch einen Draht zueinander. Einerseits, weil wohl mein Französisch besser wurde und sie mich somit nicht mehr als geistig minderbemittelt einstufte. Und andererseits auch dank des „Sandwich“-Kindes Augustin, der mit all dem Charme, den ein Siebenjähriger aufbringen kann, sowohl seine kleine Schwester als auch mich in den Griff kriegte. Klipp und klar impfte er der Kleinen ein, dass Elke der Chef ist, wenn Mama und Papa nicht da sind. Mir indes trieb er hemmungslos und direkt jeden noch so kleinen Sprachfehler aus. Gott sei Dank, denn die meisten Erwachsenen sind zu höflich, um zu korrigieren. Ihnen reicht in der Regel, wenn sie verstehen, was gemeint ist. Ein Fehler, wie ich finde.


Das Jahr in dieser Familie hat mich sehr geprägt. Ich lernte, mehr aus mir herauszugehen, selbstständig zu werden und mich auf Fremdes und Fremde einzustellen. Die Zeit hat mir sehr gut getan, und ich möchte sie nicht missen. Wegen der recht unkonventionellen Familie und nicht zuletzt natürlich auch wegen der tollen Stadt, die ich sehr intensiv erkundet und kennengelernt habe. Mit Bedauern habe ich beim Schreiben meiner Nachrichten an die Familienmitglieder festgestellt, dass mein Französisch, das nach dem Jahr in Paris wirklich sehr gut war, im Laufe der Zeit doch arg nachgelassen hat. Ich verstehe nach wie vor das Meiste, aber dem eigenen Ausdruck fehlt ganz deutlich die Übung. Daran will ich jetzt arbeiten. Es gibt viel zu tun - ich fang schon mal an. Augustin ist mir übrigens auch heute noch ein Vorbild: vor wenigen Minuten bot er mir - auf deutsch - an, immer in meiner Muttersprache zu schreiben, wenn ich auch immer in seiner schreibe. Aber immer gerne!


Jedenfalls sind „meine“ Kinder ganz schön groß geworden (wie habe ich das gehasst, wenn Erwachsene das über MICH sagten :-)) und haben die unterschiedlichsten Berufe erlernt (Anwalt, Regieassistent am Theater (Aktualisierung: jetzt Fundraising-Berater), Restaurateurin im Museum). Die beiden Jungs sind verheiratet und haben mittlerweile jeweils schon selbst einen Sohn. Die „Kleine“ heiratet noch in diesem Jahr, wie mir die Mutter verriet. Ich indes bekannte mich in meinen Nachrichten an die Familie zur langzeitlichen Wilden Ehe. Um mit Stefan zu sprechen: „Wer nimmt uns denn jetzt noch?“ Na, Facebook und Co. Die nehmen doch jeden.

Sozial netzwerken

28. August 2009 20:55

 
 

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